Jugendliche und Selbstbewusstsein – typische Probleme und Hilfen

Selbstbewusstsein bei Jugendlichen

Probleme mit dem Selbstbewusstsein treten nicht nur im Erwachsenenalter auf. Besonders Jugendliche und sogar Kinder leiden unter ihnen.

Jugendliche und Selbstbewusstsein, das ist Krise, Chance und Aufgabe zugleich. Ein wichtiger Lebensabschnitt in der psychosozialen Entwicklung.

Was sind die Ursachen für Probleme mit dem Selbstwert und dem Selbstbewusstsein in der Jugendzeit? Was lässt daraus sich im Umgang mit jungen Menschen in dieser sensiblen Phase ableiten, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken?

Denn für Jugendliche gilt besonders: Je positiver ihr Selbstwertgefühl und damit das Selbstvertrauen ist, umso erfolgreicher können sie mit Problemen und mit anderen Menschen im allgemeinen umgehen. Ein gesundes Selbstbewusstsein ist ein dynamischer Baustein für das Leben.

Krise des Selbstbewusstseins in der Pubertät

Dabei ist die Pubertät eine bekannt schwierige Etappe. Die mitunter plötzlich auftretenden hormonellen, physischen und psychischen Änderungen müssen von den Jugendlichen erst akzeptiert und verarbeitet werden.

Sie lernen langsam, wer sie sind und was sie wollen. Auch die optischen Einschnitte durch Wachstum, Veränderung des Körpers und des Gesichts (Reife) werden in bisweilen langen Prozessen verarbeitet. Integration der pubertären Änderungen in das Ich und das Selbstbild, das geht nicht automatisch, sondern wird in Interaktionen und langen Phasen des Nachdenkens erworben.

Oft testet man in der Jugendphase neue Rollen sowie Haltungen und auch Freunde aus. Die Pubertät ist dadurch eine sehr selbstbezogene (narzisstische) Phase, die mit großer Verunsicherung einhergeht. Genau deshalb vergleichen sich die Jugendlichen miteinander: Wer sieht wie aus, warum kommen die Anderen besser an (sind cooler), warum ist man noch so klein, wer hatte schon wie viele Freunde/Freundinnen?

Sensible Phase mit angreifbarem Selbstbewusstsein

Jede kritische Rückmeldung stellt das neu erworbene Selbstbild und das Selbstbewusstsein in Frage. Im Gegensatz zu Erwachsenen haben sie noch keine Kontinuitätim Selbstbild erworben, sind sich noch nicht sicher, wer sie sind. Selbstbewusst Handeln und selbstbewusst sein hat noch keine „Tradition“.

Hormonelle Schwankungen machen zudem reizbar und ziehen mitunter impulsives Verhalten nach sich.

Jugendliche und Selbstbewusstsein – Ideen für Hilfen

  • Geduld wahren und Stärken betonen: Jugendliche sind nicht pflegeleicht, oft patzig und manchmal nervig, so dass man auch mal Grenzen setzen muss. Das ist durchaus OK, Grenzen gehören zum Leben, wenn sie nicht zu einengend sind. Aber verlieren sie nicht die Geduld und loben Sie die Stärken der Jugendlichen. Ruhig wiederholt. Falls sich der Nachwuchs darauf einlässt, kann er ruhig ein Stärketagebuch führen, frei nach dem Motto: Was habe ich gut gemacht?
  • Nicht mit Stars vergleichen: Die Vorbilder aus den Medien sind ebenso überzogen wie manipuliert. Zeigen Sie den Jugendlichen ihre positiven Eigenheiten, weisen Sie taktvoll auf die Manipulation von Starbildern hin. Aber behandeln Sie den Lieblingssänger/-Schauspieler mit Respekt, Schwärmen gehört dazu! Oft hilft es, den Jugendlichen aufzufordern, sich eher mit sich selbst – beispielsweise vor einem Jahr – zu vergleichen. Die Pickel sind weniger? Toll! Das ist eine realistische Referenz und kein Medienspuk.
  • Schwächen gehören zum Leben: Niemand kann alles, das kann man gar nicht oft genug wiederholen. Schwächen akzeptieren und individuelle Stärken herauszufinden, das ist immer ein Balanceakt. Loben sie den Fortschritt bei Schwächen (z.B. Mathe) immer, auch wenn die Fähigkeit vielleicht nicht überragend ist. Es zählt der Weg (die Anstrengung), nicht nur das gute Resultat.
  • Freunde sind wichtig: Erfahrungen mit Gleichaltrigen sind unverzichtbar, das ist für Eltern zu akzeptieren. Die Peer-Group ist die Referenz im Leben eines Jugendlichen und für das Selbstbewusstsein (Stellung in der Gruppe, Erlebnisse, Erfahrungen, Kontaktaufnahme) entscheidend. Nehmen Sie „die Zurückstellung“ ihrem Nachwuchs nicht krumm, aber sprechen sie ihn bei einem unguten Gefühl auf schräge Freunde an. Er wird sie verteidigen, das muss vorher klar sein.
  • Sport: Bewegung ist immer gut und fördert die Koordination und Selbstwahrnehmung des sich ändernden Körpers. Und damit das Selbstbewusstsein. Ist Interesse vorhanden, dann ermöglichen sie, falls realistisch, die Ausübung der gewünschten Sportart. Das Interesse des Jugendlichen ist entscheidend. Es bringt im Gegenzug wenig, dem Nachwuchs eine Sportart aufzuzwängen. Arbeiten sie mit den jugendlichen Interessen, die sich durchaus schnell ändern können, auch das ist normal. Was macht Spaß, wo fühlt sich der Jugendliche wohl? – das sind die Leitfragen.
  • Kontinuierliche Beziehungsangebote: Konflikte und Streit sind Teil der Pubertät. Selbstbewusstsein bei Jugendlichen entsteht auch im Konflikt über Meinungen, Rechte und Pflichten. Das ist Teil des Erwachsenwerdens. Die dramatische Rolle des Rebellen ist ebenfalls mehr als attraktiv. Und doch brauchen sie verlässliche Ansprechpartner, auch in Krisenzeiten. Thematisieren Sie Schwierigkeiten moderat und ohne sich zu verstellen („Es ist derzeit schwierig und ich bin verärgert…“). Bieten sie dem Nachwuchs dennoch die Kontaktmöglichkeit an (… aber bitte komm, wenn etwas sehr wichtig ist!“). Diese Wertschätzung hilft langfristig, auch wenn das Angebot kurzfristig vielleicht verworfen wird.


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